Der Scherbenlauf

Der Scherbenlauf

Der Scherbenlauf gehört wohl zu den bekanntesten und zugleich missverstandenen Übungen im Mentaltraining. Kaum eine Intervention macht so sichtbar, wie stark innere Überzeugungen, Bilder und Emotionen das eigene Erleben und Handeln steuern.

Richtig eingesetzt ist der Scherbenlauf kein Mutbeweis und keine Mutprobe, sondern ein präzises mentales Lernfeld.

Was ist der Scherbenlauf wirklich?

Beim Scherbenlauf gehen (oder springen) die Teilnehmenden barfuß über eine Strecke aus echten, scharfen Glasscherben. Für viele Menschen löst schon allein die Vorstellung daran starke Angst aus. Der Körper spannt sich an, innere Warnsysteme schlagen Alarm, Bilder von Schmerz oder Verletzung entstehen automatisch.

Genau hier setzt der mentale Trainingsaspekt an:

Nicht die Scherben im Außen sind das eigentliche Thema, sondern die innere Reaktion darauf.

Der Scherbenlauf konfrontiert den Menschen mit einer archaischen Angst und macht sie gleichzeitig steuerbar.

Angst entsteht im Kopf. Wirkung und Veränderung auch.

Aus neurobiologischer Sicht reagiert das Gehirn auf die Scherben wie auf eine reale Bedrohung. Das limbische System übernimmt, Stresshormone werden ausgeschüttet, der Fokus verengt sich. Rationales Denken tritt in den Hintergrund.

Im Mentaltraining lernen Teilnehmer, diesen Automatismus zu unterbrechen:

  • durch klare innere Ausrichtung durch bewusste Atmung
  • durch Fokuslenkung
  • durch einen stabilen Stand
  • durch einen stabilen inneren Zustand

Wer innerlich ruhig, präsent und klar bleibt, verändert nicht nur die Wahrnehmung der Situation, sondern auch die körperliche Reaktion.

Der Scherbenlauf wird so zu einer direkten Erfahrung: Ich bin nicht Opfer meiner Angst! ich kann sie regulieren.

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Warum der Scherbenlauf so nachhaltig wirkt

Viele mentale Übungen bleiben abstrakt. Der Scherbenlauf hingegen ist konkret, körperlich und unmittelbar erfahrbar. Das Gehirn lernt nicht durch Erklärungen, sondern durch Erleben.

Nach dem erfolgreichen Gehen über die Scherben entsteht häufig ein innerer Perspektivwechsel:

  • „Wenn ich das geschafft habe, was ist dann noch möglich?“
  • „Meine Angst war größer als die Realität.“
  • „Ich kann auch in kritischen Situationen bei mir bleiben.“

Diese Erkenntnis lässt sich auf andere Lebensbereiche übertragen: schwierige Gespräche, Entscheidungen, Auftritte, Konflikte oder persönliche Grenzen.

Der Scherbenlauf wirkt deshalb nicht symbolisch, er wirkt neuro-biologisch.

Die neuro-biologische Wirkung vom Scherbenlauf

Der Scherbenlauf wirkt nicht „magisch“ und auch nicht symbolisch. Seine Wirkung lässt sich neurobiologisch sehr klar erklären. Genau das macht ihn im Mentaltraining so kraftvoll.

1. Aktivierung des Bedrohungssystems

Schon die Vorstellung, barfuß über Glasscherben zu gehen, aktiviert im Gehirn das Bedrohungsnetzwerk:

  • Amygdala: bewertet die Situation als potenziell lebensgefährlich

  • Hypothalamus: aktiviert die Stressachse (HPA-Achse)

  • Ausschüttung von Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol

Folgen:

  • erhöhte Muskelspannung

  • beschleunigte Atmung

  • Tunnelblick

  • reduzierte Aktivität des präfrontalen Kortex (logisches Denken)

Aus neurobiologischer Sicht befindet sich der Mensch im Überlebensmodus.

2. Angst ist eine Vorhersage, keine Realität

Wichtig:
Die Angst entsteht nicht durch die Scherben selbst, sondern durch die antizipierte Verletzung.

Das Gehirn arbeitet prädiktiv:

  • Es greift auf gespeicherte Erfahrungen, Bilder und kulturelle Prägungen zurück

  • Es simuliert Schmerz, noch bevor etwas passiert

Neurobiologisch bedeutet das:

Das Nervensystem reagiert auf eine innere Simulation – nicht auf eine reale Verletzung.

Genau hier entsteht der Trainingsraum.

3. Zustandsregulation statt Unterdrückung

Im professionellen Mentaltraining wird der Scherbenlauf nicht mit Willenskraft oder Zwang durchgeführt. Stattdessen wird der innere Zustand gezielt reguliert:

  • bewusste Atmung → Aktivierung des parasympathischen Nervensystems

  • Fokussierung → Reduktion diffuser Angstsignale

  • innere Klarheit → Reaktivierung des präfrontalen Kortex

Die Folge:

  • Die Amygdala verliert an Dominanz

  • Stresshormone sinken

  • Feinmotorik und Körperwahrnehmung verbessern sich

Der Körper wird wieder steuerbar, obwohl die Situation objektiv herausfordernd bleibt.

4. Neuroplastisches Lernen durch direkte Erfahrung

Der entscheidende Effekt entsteht nach dem Gehen:

  • Das Gehirn erwartet Schmerz und Verletzung

  • Die Erfahrung widerspricht dieser Erwartung

Neurobiologisch passiert Folgendes:

  • Prediction Error (Vorhersagefehler)

  • Bestehende Angstnetzwerke werden abgeschwächt

  • Neue neuronale Verknüpfungen entstehen:
    „Ich kann in Angst präsent und handlungsfähig bleiben.“

Dieses Lernen ist besonders stabil, weil:

  • es emotional aufgeladen ist

  • es körperlich erlebt wird

  • es nicht kognitiv „erklärt“, sondern erfahren wird

5. Generalisierung auf andere Lebensbereiche

Das Gehirn speichert nicht „Scherbenlauf“, sondern ein Muster:

  • Bedrohung → innere Regulation → souveränes Handeln

Dieses Muster lässt sich unbewusst übertragen auf:

  • schwierige Gespräche

  • Führungsentscheidungen

  • Konfliktsituationen

  • Auftritts- oder Leistungsdruck

Neurobiologisch gesprochen:

Die Schwelle, ab der das Bedrohungssystem die Kontrolle übernimmt, verschiebt sich nach oben.

6. Warum der Effekt nachhaltig ist

Der Scherbenlauf kombiniert drei entscheidende Faktoren wirksamen mentalen Trainings:

  1. Hohe emotionale Aktivierung

  2. Erfolgreiche Selbstregulation im Stress

  3. Positive körperliche Erfahrung trotz Angst

Das ist genau die Kombination, die neuroplastische Veränderungen begünstigt.

Kurz gesagt

Der Scherbenlauf wirkt, weil er dem Gehirn etwas Neues beibringt:

  • Angst ist ein Signal – kein Befehl

  • Innere Führung ist möglich, auch unter Stress

  • Kontrolle entsteht durch Zustand, nicht durch Härte

Und genau deshalb ist der Scherbenlauf kein Muttest, sondern ein präzises neurobiologisches Lernfeld für mentale Stärke.

Kein Kraftakt, sondern innere Führung

Ein häufiger Irrtum ist die Annahme, man müsse sich „zusammenreißen“ oder „durchbeißen“. Genau das Gegenteil ist der Fall. Anspannung, Kampf oder Zwang erhöhen das Risiko und verstärken Angst.

Erfolgreiches Gehen über Scherben erfordert gleiche Elemente wie in der Führung von sich selbst und anderen:

  • innere Ruhe statt Druck
  • Präsenz statt Ablenkung
  • Fokus und Selbstführung statt Überwindung

Der Körper folgt dem inneren Zustand. Wer innerlich stabil ist, bewegt sich automatisch sicherer.

Grenzen und Verantwortung

Der Scherbenlauf gehört ausschließlich in die Hände erfahrener Mentaltrainer. Vorbereitung, Anleitung, Sicherheitsaspekte und Nacharbeit sind entscheidend. Ohne professionellen Rahmen verfehlt die Übung ihre Wirkung oder wird zur reinen Mutprobe. Und genau das ist nicht ihr Zweck.

Daher ist es so gut, dass ich über 100 Stunden Ausbilung nur zum Master-Mentaltrainer genossen habe und diese wie alle anderen Mentaltrainings mit besonderer Sorgfalt und Verantwortung durchführe. 

Denn richtig eingesetzt ist der Scherbenlauf ein bewusstes Trainingsinstrument zur Stärkung mentaler Souveränität.

Fazit

Der Scherbenlauf ist ein Klassiker im Mentaltraining, weil er eine zentrale menschliche Erfahrung ermöglicht:

Angst muss nicht verschwinden, damit wir handeln können. Sie darf da sein. Und trotzdem verlieren wir nicht die Kontrolle.

Wer einmal erlebt hat, wie sich innere Klarheit stärker anfühlt als Angst, nimmt diese Erfahrung mit in den Alltag. Und genau darin liegt die eigentliche Kraft des Scherbenlaufs.

 

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Über Mentaltraining Chiemgau

 

Mentaltraining Chiemgau wurde von Andreas Kriwan und seiner Firma, der Succelerate GmbH, ins Leben gerufen, um Führungskräfte und Leistungsträger dabei zu unterstützen, ihr volles Potenzial unter Druck, in Veränderungssituationen und im beruflichen Alltag abrufbar zu machen.

Wir arbeiten mit Menschen, die viel bewegen – und dabei oft selbst an ihre Grenzen geraten. Mit wissenschaftlich fundierten Methoden und praxiserprobten Tools aus dem Spitzensport und der modernen Psychologie stärken wir die mentale Leistungsfähigkeit, Resilienz und Entscheidungskraft unserer Klientinnen und Klienten.

»Mentale Stärke ist kein Zufall – sie ist trainierbar.«

Seit 2016 berät und trainiert Andreas Kriwan mit seinem Team Unternehmen, Führungskräfte und Leistungsträger in herausfordernden Situationen. Mit einem ganzheitlichen Ansatz aus Mentaltraining, NLP, NLF und wissenschaftlich fundierten Strategien unterstützt Sie sein Team dabei, mentale Stärke aufzubauen, klare Entscheidungen zu treffen und nachhaltigen Erfolg zu erzielen.

Seine Unternehmen, die Succelerate GmbH, wurden mehrfach ausgezeichnet, unter anderem von der Wirtschaftswoche, dem Handelsblatt und dem Tagesspiegel für ihre herausragenden Leistungen im Bereich Coaching und Unternehmensentwicklung. Zudem zählt das Manage HR Magazin seine Firma zu den TOP Leadership Development-Unternehmen, was ihre führende Position in der Entwicklung von Führungspersönlichkeiten unterstreicht.

Durch innovative Trainingsmethoden, praxisnahe Schulungen und einen klaren Fokus auf individuelle Lösungen haben Andreas Kriwan und sein Team zahlreiche Unternehmen dabei unterstützt, ihre Potenziale zu entfalten und nachhaltige Spitzenleistungen zu erreichen.

Über Andreas Kriwan

 

Vom Hauptschüler und gelernten Heizungsbauer

zum Masterabsolvent, Unternehmer und Trainer für Führungskräfte.

Trainer und Ausbildungen (Auszug) von Andreas Kriwan:

  • Tony Robbins: Zertifizierung zum Life-Coach
  • Cloe Maddanes: Zertifizierung zum Life-Coach
  • Dr. Richard Bandler: Gründer von NLP - Decoding NLP
  • Eugene B. Kogan: Harvard Professor - Negogiation and Leadership
  • FH-Prof. DI Dr. Dominik Walcher: MIT Professor - Marketing und Produktentwicklung
  • Roberto D´Agnano: Zertifizierung Master Mental- und Feuerlauftrainer
  • Mag.(FH) Sefan Mandl: Zertifizierung NLP Practitioner und NLP Master
  • Dirk Tischer: Ausbildung NLP Trainer (2025/26)
  • Am meisten habe ich vermutlich von meinen Klienten und Seminarteilnehmern gelernt. Danke dafür.
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Mein Weg war vieles, geradlinig auf keinen Fall. Ja, ich war mal auf der Hauptschule. Und hab Heizungsbauer gelernt. Bis zu meinem zweiter Hochschul-Master-Abschluss (MBA) war ich auf insgesamt 27 verschiedenen Schulen und Universitäten und wurde unter anderem von Harvard- und MIT Professoren unterrichtet. 

Ich hab natürlich viel gelernt. Aber: Am meisten lernen wir, wenn wir es anderen beibringen. 

Mein erstes mal unterrichtet habe ich mich zwölf Jahren als Jugend-Trainer. Seitdem zieht es mich schon fast magisch in die Rolle als Trainer.

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